Sommersonnenwende, Eichenfest, Litha (kelt.), Johannisnacht

Gefeiert wird der längste Tag des Jahres, die Sonne ist auf dem Höhepunkt ihrer Kraft, von nun nimmt das Licht wieder ab. In der Mittsommernacht werden große Feuer entzündet, die reinigende, fruchtbringende oder verjüngende Wirkung haben. Das Feuer kommt auf der Erde, der Sonne am Himmel am nächsten. Deshalb werden auf überlieferten Plätzen Scheiterhaufen für das Jahresfeuer aufgerichtet. Früher sprang man über das Feuer und sprach einen Wunsch aus, der sicher in Erfüllung ging. Die Kirche weihte diese nicht auszurottenden Sonnwendfeuer Johannes dem Täufer. Die Mittsommernacht ist auch besonders geeignet, um heilkräftige Kräuter zu sammeln. Aus Eichenlaub geflochtene Kronen schmückten Türen und Dächer, ein Schutz gegen Blitzeinschlag, denn die Eiche war Donar, dem Gewittergott, geweiht. Es wurden sogenannte Kraftgürtel getragen, gebunden aus Beifuß, und später dem Feuer übergeben. Kränze aus den Sonnwendpflanzen geflochten (siehe auch Balderskraut), um die Kraft, die vom Feuer ausging, für das restliche Jahr nutzbringend einzufangen. Sie bündeln symbolisch die Stärke der Sonne für das nahende Dunkel, den Winter. Die Sonnwendkränze wurden gleich wie die aus Eichenlaub auf das Dach des Wohnhauses und der des Viehs geworfen.

Trotz des höchsten Stands der Sonne auf der Nordhalbkugel mit der maximalen Strahlungsenergie ist es nicht die wärmste Zeit des Jahres. Der Hochsommer mit seinen Hitzewellen folgt erst einige Wochen nach, im Juli und August. Das kommt dadurch zustande, daß das Land und die See die erste Wärmezufuhr schlucken. Erst wenn alles so richtig aufgeheizt ist, kann sich die Atmosphäre weiter erwärmen. Dann werden die höchsten Durchschnittstemperaturen des Jahres gemessen. Gleicher Effekt gilt für die Wintersonnenwende, die kältesten Tage des Jahres sind nicht um den 22. Dezember sondern erst im Januar zu verzeichnen.

Welche Bedeutung die Sonnenwenden in vergangener Zeit hatten, zeigt etwa das 7000 Jahre alte Sonnenobservatorium von Goseck, eine kultisch-astronomische Einrichtung, mit deren Hilfe eine exakte Bestimmung der Sonnenwenden möglich war. Goseck ist Bestandteil der neu eingerichteten Himmelswege, einer Tourismusroute in Sachsen-Anhalt.

Heiliges Feuer


Ahnengeerbtes, heiliges Feuer,
urkraftgeborene, leuchtende Glut,
schirme und schütze, was lieb uns und teuer,
hüte und hege das deutsche Gut!
Banne die Nacht mit deinem Schein,
läuternde Flamme, und fege rein
von finsteren Wählern die deutsche Art,
daß sie den Feuergeist bewahrt.
Kampffreudige Antwort sei dein Lohen
auf der tückischen Feinde wüstes Drohen!
Leucht' uns voran auf der Wahrheit Wegen,
gib unserm Wirken den Feuersegen! -
Wir folgen deinem flammenden Mahnen:
Dem Volke treu und den Sitten der Ahnen!

K. Püringer

Sonnwendfeuer


Sonnwendfeuer soll lohen
auf den Bergen den hohen!
Wacker den Holzstoß geschichtet,
Hurtig die Fackeln gerichtet!
Rufet die Burschen zusammen,
schüret mächtig die Flammen!

Ehrwürdiger Sitten Walten
soll nicht vergehn, nicht veralten.
Sagt es den Großen und Kleinen,
sagt es den Groben und Feinen,
sagt's allen Jugendfrohen:
Sonnwendfeuer soll lohen!

Von Berge zu Berge ein Singen,
Springen und Fackelschwingen!
Ehrwürdige Sitte ist Kraft,
die fröhliche Herzen schafft.

Ehrwürdige Sitte ist Geist,
die Treue um Treue verheißt,
Treue in Nacht und Not,
Treue bis in den Tod.

Möge der Erdball erzittern
in wütenden Angewittern,
Fenriswolf heulen und drohen -
Sonnwendbrauch soll nicht erkalten,
Sonnwendbrauch soll nicht veralten,
Sonnwendfeuer soll lohen!

Heinrich Sohnrey

Letzte Änderung: 29.12.2011