Saga

Der Griechen Götter wurden laut gepriesen,
Ägyptens Götzen grub man aus dem Staub.
Man wühlt und wühlt in Romas Marmorfließen
Um zu entringen der Vernichtung Raub,
Was tausende von Jahren eingeschachtet. -
Germanengötter blieben unbeachtet.

Vergessen und allein in kühler Grotte
Weilt Saga, von Erinnerung genährt,
Die ihr zurückruft, wie sie einst dem Gotte
In gold'ner Schale Weisheitstrank gewährt,
Und ihm erzählte von den Urweltstagen.
Vor Odin lag die Weisheit aufgeschlagen.

Zu Sagas Füßen rauscht ein Strom vorüber,
Des' schwell'nde Flut das Schöpfungsreich durchfließt,
Der Strom der Zeit! der heller oder trüber
Doch unaufhaltsam seine Wasser gießt
In's Meer der Ewigkeit. - Den Strom begleiten
Das Weltgeschick, die Weltbegebenheiten. - -

Lang klagte Saga, doch von ihrem Throne
Erhob sie sich, seit Deutschland neu vereint.
Auf ihrem Haupt strahlt der Germanen Krone,
Klar sind die Augen, die im Schmerz geweint.
Von Neuem lasset ihre Sagen klingen,
Germanenruhm und Götterzeit besingen.

aus "Odin · Nordische Göttersagen" (1881)

A. Kayser-Langerhannß

Letzte Änderung: 26.12.2008