Gemeiner Wacholder

Juniperus communis
(Zypressengewächse - Cupressaceae)
Volksnamen: Quickholder, Reckholder, Krammetsbaum, Kranewitt, Machandelboom, Räucherstrauch, Feuerbaum uvm.
Engl.: Common juniper; Franz.: Genévrier commun; Ital.: Ginepro comune

Wacholderdrossel (Krammetsvogel)

Der Gemeine Wacholder ist ein immergrüner Nadelstrauch oder Baum. Er kann eine Höhe von maximal 12 Metern und einen Stammdurchmesser von 0,9 Metern erreichen und bis zu 500-2000 Jahre alt werden. Die Borke ist grau- bis rotbraun. Der Wacholder bildet in der Regel eine schmale kegelförmig bis ovale Krone. Die 1-2 Zentimeter langen spitzen Nadeln sind in dreizähligen Quirlen angeordnet und haben auf der Oberseite helle Streifen. Der Wacholder ist zweihäusig. Männliche Exemplare kann man zur Blütezeit von April bis Juni gut an den gelblichen Blüten erkennen. Es dauert zwei bis drei Jahre, bis nach der Bestäubung an den weiblichen Individuen im August bis Oktober die Wacholderbeeren reifen. Dabei handelt es sich nicht eigentlich um eine Beere, sondern um einen aus drei Schuppen bestehenden Zapfen. Die Beerenzapfen werden von Vögeln verbreitet, etwa von der Wacholderdrossel.

Der Wacholder ist in ganz Europa verbreitet und bevorzugt magere Böden und Heidelandschaften wie etwa die Lüneburger Heide oder die Schwäbische Alb, wo der Wacholder vom Vieh nicht verbissen wird. Er hat einen hohen Lichtbedarf und ist resistent gegen Trockenheit.


Wacholderheide am Rande der Schwäbischen Alb

Der Wacholder steht unter Naturschutz, sein zum Räuchern von Fleisch begehrtes Holz darf nicht mehr gesammelt werden. Anders die Beeren, aus denen Schnaps (Gin, Genever) hergestellt wird und die als wohlschmeckendes Gewürz für Fleisch- und Fischgerichte verwendet werden können. Pro Portion sollten jedoch nicht mehr als drei Beeren verwendet werden. Beeren und Nadeln des Wacholder enthalten leicht giftige ätherische Öle, die bei Hautkontakt und Verzehr zu Reizerscheinungen führen können.

Reife Wacholderbeeren

Innerlich angewendet wirken die Scheinbeeren magenstärkend, blutreinigend und harntreibend, äußerlich bewirken sie eine verstärkte Durchblutung. Sie schmecken zunächst süßlich, hinterlassen aber einen bitterherben Nachgeschmack. In der Homöopathie finden sie als Ableitungsmittel für die Nieren, zur Behandlung von Hautkrankheiten, Gicht und Rheuma Verwendung. Wacholder als Diuretikum darf nur in Kombination mit anderen Diuretika eingesetzt werden, da die Verwendung als Einzeldroge leicht zu einer Überdosierung und daraus resultierenden Nierenschäden führen kann.

Wacholder-Holz, -Triebe und -Beeren werden auch gerne zum Räuchern verwendet. Wacholderrauch gilt als reinigend und desinfizierend und wurde schon im Mittelalter, etwa in Pestzeiten, verwendet. Aber auch gegen böse Geister half der Wacholder und wurde als Schutz besonders bei Reisen mitgeführt.

Der Baum war bereits in altgermanischer Zeit weit verbreitet. Vor dem Wacholder sollte man, ebenso wie vor dem Holunder, den Hut ziehen und das Knie beugen. "Vor Hollerstaud'n und Kranawitt'n ruck' i mein Huat und Noag bis halbe Mitt'n", sagte man im Alpenraum.

Der Name Juniperus ist schon bei den Römern in Gebrauch gewesen, er ist abgeleitet vom lateinischen juvenis und parere = gebären und ist auf die abtreibende Wirkung der Beerenzapfen zurückzuführen. Das Wort Wacholder ist aus der Althochdeutschen Silbe 'wachal' abgeleitet, die so viel wie wach, munter, frisch, hier 'immergrün' bedeutet. Im deutschen Sprachraum gibt es viele verschiedene Bezeichnungen und mundartliche Formen für den Wacholder, es wurden über 150 Namen gezählt!

Auch ein Bewohner der Wacholder-
heiden: die Silberdistel (Kraftwurz)

Wie die immergrüne Eibe ist der Wacholder ein Todesbaum und wird gern auf Friedhöfen gepflanzt. Man glaubte, dass die Seelen der Verstorbenen sich im Wacholder verstecken und unter bestimmten Umständen wiederkehren könnten. Daher der Name "Wach-Halter", der auch auf die krankheitsabwehrende Funktion hinweist. Die menschenähnliche Gestalt des Wacholders auf dunkler Heide mag den Glauben inspiriert haben, dass sich Verstorbene darin verbergen. In Grimms Märchen vom Machandelboom entsteigt das von der Stiefmutter getötete Kind als Vogel einem Nebel, der aus dem Wacholderbaum strömt.

In Bayern wurde im November am Martinstag die Martinsgerte aus Wacholderreisig gebunden und die Ställe mit einem Zweig geschmückt, der das Vieh vor Krankheiten schützen und es fruchtbar machen sollte. Der Geist des Wacholders kann auch ein Verbündeter bei der Jagd nach Dieben sein. Dazu begibt man sich vor Sonnenaufgang zu einem Wacholderbusch, biegt mit der linken Hand einen seiner Äste nach Osten hin zum Boden hinunter und beschwert ihn mit einem Stein. Man spreche „Wacholderstrauch ich tue dich bücken und drücken bis der Dieb sein gestohlenes Gut wiedergebracht hat.” Nun wird der Dieb sich bald offenbaren, sobald er aber das Gestohlene zurückgegeben hat, muß man den Stein entfernen.

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Letzte Änderung: 25.12.2008