Gemeine Esche

Fraxinus excelsior L.
(Ölbaumgewächse - Oleaceae)
Volksnamen: Asche, Geisbaum, Oesch oder Wundbaum
Engl.: Ash; Franz.: Frêne; Ital.: Frassino

Esche in Blüte, Ende April

Die Esche kann bis zu 40 Meter hoch werden und einen Stammdurchmesser von bis zu 5 Metern erreichen. Eschen werden bis zu 300 Jahren alt. Die Rinde der Esche ist anfangs glatt und hellgrau, im Alter entsteht eine graue dicht längsrissige Borke. Die Esche bildet starke horizontale Wurzeln, von denen Senkerwurzeln senkrecht in den Boden wachsen. Die gegenständigen Fiederblätter haben 9-15 gesägte Blättchen und sind bis zu 35 cm lang. Die Esche treibt unter den heimischen Laubbäumen als letzte aus. Sie beginnt mit etwa 30 Jahren zu blühen, die Blütenrispen zeigen sich im April bis Mai vor dem Laubaustrieb. Es werden sowohl rein männliche und weibliche als auch zwittrige Blüten gebildet. Es gibt einhäusige und zweihäusige Exemplare. Die geflügelten 2 bis 3,5 Zentimeter langen Nussfrüchte hängen in dichten Büscheln und reifen von September bis Oktober. Sie werden durch den Wind verbreitet und keimen erst im zweiten Frühjahr.

Eschenblätter mit 9-13 Fiedern,
gezähnt, fallen im Herbst grün ab

Die gemeine Esche ist in ganz Europa (bis auf Nordskandinavien und Südspanien) bis zu einer Höhe von 1600 m verbreitet. Sie bevorzugt kalkhaltige, nährstoffreiche Böden, liebt feuchte Standorte und findet sich oft in Auenwäldern und an Bachufern. Sie wächst rasch, erträgt als Sämling noch Halbschatten, aber benötigt später viel Licht. Gegen Frost ist die Esche empfindlich, die Blätter zeigen sich erst im Mai und fallen bereits nach den ersten Frostnächten unverfärbt vom Baum.

Das Holz ist nicht sehr witterungsbeständig, aber elastisch und zäh. Daher wird es zum Bau von Sportgeräten, Werkzeugstielen oder Musikinstrumenten eingesetzt. Früher wurde das Eschenlaub gern als Viehfutter verwendet.

In der Volksheilkunde galt die Esche als Mittel gegen Gicht und Rheuma, dazu wurde Tee aus Eschenblättern verabreicht oder aus Eschensamen hergestellter Eschengeist äußerlich angewendet. Auch gegen Schlangenbisse sollten die Eschenblätter wirksam sein.

Flügelfrüchte
in hängenden Büscheln

In der nordischen Mythologie ist die Weltenesche Yggdrasil der schönste und heiligste Baum. Er verbindet das Götterreich Asgard mit der Unterwelt. Unter jeder seiner drei Wurzeln entspringt ein Quell. In seinen Zweigen weiden die Zeige Heidrun und vier Hirsche. Auf seiner Spitze sitzt ein Adler, an seinen Wurzeln nagt die Schlange Niddhögr. Das Eichhörnchen Ratatöskr rennt am Stamm auf und ab, Zwietracht zwischen den beiden sähend. (Auch wenn in der Edda der Weltenbaum an einigen Stellen ausdrücklich als Esche bezeichnet wird, spricht jedoch einige Eigenschaften dafür, dass es sich eigentlich um die immergrüne Eibe handelt.) Der germanische Schöpfungsmythos erzählt außerdem, dass die Götter den Mann aus einem Eschenstamm (Ask) schufen, die Frau dagegen aus einer Ulme (Embla).

Während die Germanen als Material für Pfeil und Bogen bevorzugt Eibenholz verwenden, ist Odins Speer aus dem geraden, elastischen Eschenholz. Auch in der griechischen Mythologie spielt ein Eschenspeer eine wichtige Rolle: er wurde von dem Kentauren Chiron aus dem Holz der heiligen Eschen auf dem Berg Pelion in Thessalien gefertigt, mit ihm besiegte Achilles schließlich Hektor.

Über 200-jährige Esche
bei Schloss Solitude, Stuttgart

Nach Hesiod waren in der griechischen Mythologie Eschen Feuerspender für die Menschen, die Prometheus geschaffen hatte. Zeus entzieht den Eschen jedoch diese Kraft. Prometheus holt den Menschen daraufhin das himmlische Feuer, indem er heimlich ein hohles Rohr des Riesenfenchels an der Sonne entzündet. Nachdem Zeus das gottlose Menschengeschlecht des Prometheus in einer Flut ertränkt hat, schafft er im ehernem Zeitalter aus Eschenholz ein kriegerisches, gewalttätiges Menschengeschlecht.

Es heißt auch, das eherne Menschengeschlecht stamme von den Meliai, den Nymphen der Eschen (Melia) ab. Die Meliai ihrerseits wurden - ebenso wie die Erinnyen - gezeugt, als Kronos seinen Vater Uranos entmannte und dessen Blut auf die Erde (Gaia) tropfte. So tragen auch die Erinnyen als rächende Plagegöttinnen in ihrem ehernen Palast in der Unterwelt Eschenstöcke zur Bestrafung der Fehlbaren. Nemesis, die Göttin der Gerechtigkeit, hält ebenfalls einen Eschenzweig in der Hand, um damit ihre Härte und Unbeirrbarkeit anzudeuten.

 

Yggdrasil, der Weltenbaum - Esche oder Eibe?

 

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Letzte Änderung: 25.12.2008