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Europäische Eibe
Eibengewächse (Taxaceae)
Taxus baccata
Engl.: Common yew; Franz.: If; Ital.: Tasso
Die Europäische Eibe kommt in schattigen Buchen-, Tannen- und Edellaubholzmischwäldern vor. Sie findet sich heute wegen früherer Übernutzung und Verfolgung oft nur noch in unzugänglichen Schluchtwäldern und an Steilhängen. Sie ist in Europa selten, da sie oft als „Unholz” und Pferdegift bekämpft wurde. Eiben wachsen langsam, ertragen dabei aber viel Schatten. Alter von über 1000 Jahren sind verbürgt, einzelne Exemplare sollen über 2000 Jahre alt sein.
Die Eibe erreicht Wuchshöhen von 10 bis 18 Meter und Stammdurchmesser bis 0,5 Meter, selten auch darüber. Sie ist häufig mehrstämmig und die einzelnen Stämme verwachsen oft zu einem Komplexstamm. Sie besitzt eine dünne grau- bis rotbraune Schuppenborke. Die oberseits dunkelgrünen Nadeln sind 1,5 bis 3,5 Zentimeter lang und 2 Millimeter breit; die Unterseite ist hellgrün.
Männliche Eibenblüte
Eiben sind zweihäusig getrenntgeschlechtig: männliche und weibliche Blüten befinden sich auf unterschiedlichen Bäumen. Weibliche Pflanzen tragen im Herbst rote „Früchte”, die in der Mitte einen einzelnen Samen enthalten. Bis auf diesen Samenmantel, der becherartig den Samen umgibt, sind alle Pflanzenteile stark giftig.
Die Blütezeit liegt von März bis April; die Samen reifen von August bis Oktober. Die Samen keimen erst im zweiten Frühjahr. Die Samenverbreitung erfolgt durch Vögel, die vom süßen Arillus angelockt werden. Um keimfähig zu werden, müssen die Samen einem bestimmten Säuregrad ausgesetzt werden; dies geschieht normal im Vogeldarm. Der rote Samenmantel ist der einzige ungiftige Teil der Pflanze, schmeckt süß und lässt sich gut zu Marmelade einkochen, die aber heute nur noch in Ost- und Nordeuropa gegessen wird.
Sogar Schnaps läßt sich daraus brennen, wie diese fränkische Destillerie beweist, die sich auf Wildobst spezialisiert hat:
Eibenbrand (Edeldestillation Haas)
Eibenrinde mit Stammaustrieb
Holz, Rinde, Nadeln und der Samen enthalten verschiedene Alkaloide. Schon 50 bis 100 Gramm können beim Menschen zu tödlichen Vergiftungen führen, für Pferde sind geringe Mengen der Nadeln tödlich. So erzählen etwa die Chroniken des Pariser Friedhofs Père Lachaise, dass früher die Leichenwagenpferde der Giftigkeit der dort wachsenden Friedhofs-Eiben zum Opfer fielen, da sie während der Beerdigungen immer wieder an den Zweigen dieser Pflanzen knabberten. Wiederkäuer dagegen nehmen keinen Schaden durch den Fraß an Eiben: Für das Schalenwild sind Eibennadeln ein wohlschmeckender und ungefährlicher Leckerbissen.
„Suizidversuche mit Eibennadeln erfolgreich”
Eine erwachsene Person kaute 100 Eibennadeln,
sie litt binnen einer Stunde unter Übelkeit,
Leibesschmerzen, Bewußtlosigkeit und schließlich Atemlähmung.
Aus einem deutschen Ärzteblatt
Eiben im Unterholz
Die Rinde enthält den das Tumorwachstum hemmenden Wirkstoff Taxol, der in der Krebstherapie eingesetzt wird. Taxol kann mittlerweile synthetisch hergestellt werden, so dass die Eibenbestände geschont werden. In der Volksmedizin wurden früher Essenzen aus den frischen Nadeln eingesetzt etwa für rheumatische Erkrankungen eingesetzt, wegen der Giftigkeit ist davon jedoch unbedingt Abstand zu nehmen!
Das feinringige Holz ist sehr schwer und hart und gleichzeitig sehr elastisch. Es eignet sich daher sehr gut für den Bau von Langbögen und Armbrüsten. Eiben waren im Mittelalter einmal eine militärisch wichtige Ressource. Auch der rund 4000 Jahre alte Gletschermann „Ötzi” aus den Ötztaler Alpen, trug einen Eibenholzbogen und Eibenholzpfeile bei sich. Ein anderer Bogenschütze, der nordische Gott der Jagd Ullr, wohnt in Ydalir, dem „Eibental”.
Eihwaz
Eihwaz, „Eibe” ist die 13. Rune des Futhark. Sie symbolisiert die Verbindung von Gegensätzen, von Himmel und Erde, von Leben und Tod. Eihwaz ist auch der Weltenbaum. Wenn auch in der Edda der Weltenbaum Yggdrasil häufig als Esche bezeichnet, so spricht doch einiges für eine Interpretation als Eibe. Der Weltenbaum wird als immergrün bezeichnet, außerdem können Eiben ein sehr hohes Alter erreichen und haben tiefreichende Wurzeln. Odin opferte sich selbst, indem er neun Nächte am Weltenbaum hing. Während dieses schamanistischen Ritus empfing er die Gabe der Runen. Auch dies deutet auf eine Eibe, da deren halluzinogene Ausdünstungen Visionen hervorrufen können.
Die gleiche Form wie die Rune Eihwaz weist die Wolfsangel auf, gleichermaßen ein Fanggerät für die Wolfsjagd wie auch ein altes germanisches Heilszeichen, das Unheil abwehrt.
Heute findet sich die Eibe vor allem auf Friedhöfen. Aus Wäldern und Gärten ist sie wegen ihrer Giftigkeit und ihres Rufs als Totenbaum vielfach verbannt worden.
Im Altenglischen Runengedicht, das die Bedeutung der einzelnen Runen beschreibt, kommt der Eibe indes ein ganz anderer Stellenwert zu:
Eibe ist von außen
ein rauher Baum
und hart, fest im Boden verankert,
Hüter des Feuers,
von Wurzeln gestützt,
Freude des Anwesens.
Paterzeller Eibenwald - Zauberwald mit 2000 uralten Eiben
Natur im Fünfseenland - Lkr. Weilheim/Oberbayern
Die Eiben von Paterzell: Entdeckung - Naturschutz - Eibenwald heute
Netzseite von A. Kollmann, Enkel des Entdeckers Dr. F. Kollmann
Yggdrasil, der Weltenbaum - Esche oder Eibe?
Letzte Änderung: 03.11.2009