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Der Apfel
Beispiel - Kultursorte: Minister von Hammerstein
Malus x Domestica
Rosengewächse (Rosaceae)
Engl.: Apple; Franz.: Pomme; Ital.: Mela
Die Römer brachten die großfruchtigen Kulturäpfel im 1. Jahrhundert u.Z. in den deutschsprachigen Raum, schon Auslesen der ursprünglich aus dem Kaukasus bzw. dem Altaigebirge stammenden Urformen der Äpfel. Die Urtypen kommen noch heute dort wild vor.
In Märchen, insbesondere dem von Frau Holle, steht die Ernte von Äpfeln oft im Zusammenhang mit Reichtum und Macht. Während die positive Heldin den Ernte-Wunsch des Apfelbaums ("Schüttel mich, wir Äpfel sind alle reif") erfüllt und für ihren Fleiß belohnt wird, geht die negative Heldin achtlos am Baum vorüber - und wird bestraft.
Die Kultursorte Minister von Hammerstein wurde um 1882 aus Samen von Landsberger Renette in der Forschungsanstalt Geisenheim/Rheingau durch den Landesökonomierat R. Goethe gezüchtet. Sie wurde benannt nach dem damaligen Königlich-Preußischen Landwirtschaftsminister, Freiherr Ernst v. Hammerstein-Loxten.
Die altdeutsche Apfelsorte Minister von Hammerstein soll als Beispiel dafür dienen, wie unser heimisches Kulturgut zugrunde geht. Man schützt den brasilianischen Regenwald, und leistet Entwicklungshilfe in der Sahelzone, nur sollte unseren hiesigen Natur- und Kulturschätzen gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden. Das ist leider nicht der Fall.
Man findet in den Regalen Sorten aus Chile, Neuseeland oder Sorten à la "Fuji" aus Japan, weil es der Verbraucher angeblich so wünscht. Das sind jedoch nur vorgeschobene Rechtfertigungen. Der Konsument hat doch nicht wirklich die Wahl, er kauft diese Artikel aus Mangel an Alternativen, er weiß nicht mehr zu unterscheiden und wird mit einem Einheits- bzw. Apfelbrei abgespeist.
Erstes Kaufkriterium ist heute der Preis, dann kommt das Aussehen und zu allerletzt der Geschmack. Warum ist dies so?
Das Geschmacksempfinden wird manipuliert, das fängt bereits im Kindesalter an, wenn den Kleinsten das Fruchtjoghurt aus der Fabrik besser schmeckt als die entsprechenden Früchte frisch aus dem Garten bzw. Feld. Hier werden die Grundlagen für späteres Unheil gelegt, und die Folgeerscheinungen kann man dann am Warenangebot der Supermärkte ablesen. Der Verbraucher bekommt nur das Angebot, welches sich auch verkaufen läßt. Daß er auch eine immense Macht hat, die er über seine Kaufentscheidung ausübt, ist den meisten wohl nicht klar, davon sollte man sehr viel mehr Gebrauch machen. Würden mehr Leute so denken, bekämen wir ein größeres Angebot, eine reichhaltigere Auswahl und in Folge dessen günstigere Preise für ökologisch erzeugte Lebensmittel. Jedermann/-frau ;-) könnte Bioware kaufen, und dieses Argument "Kann ich mir nicht leisten" wäre keines mehr.
Es sollte der Anbau heimischer Lebensmittel genauso gefördert werden wie der weltweite Import von Äpfeln - oder soll ich sagen: dieser "Chemiewaffen". Von dieser Preispolitik wird der Verbraucher nicht in Kenntnis gesetzt, der es sich vermutlich zweimal überlegen würde, ob er zu diesen weit gereisten, mit Pflanzenschutzmitteln behandelten, blankgewachsten Dingern greift oder zu heimischem Obst.
So werden alte, in unser Land und in die Regionen passende, von unseren Vorfahren kultivierte und für gut befundene Waren und Werte rücksichtslos über Bord geworfen. Hierdurch werden nicht nur einzelne Obstsorten vernichtet, es sind natürlich auch landschaftsprägende Elemente in Gefahr, die Streuobstwiesen.
Wofür brauche ich Streuobstwiesen, werden Sie sagen. Sie stellen ein nicht zu unterschätzendes Refugium für ebenfalls bedrohte Vogelarten dar, derer sich der Nabu lobenswerterweise angenommen hat. Zudem liegen sie - so überhaupt noch vorhanden natürlich - in wichtigen Kaltluftschneisen, die den Luftaustausch unserer Dörfer und Städte fördern.
Rezept: Apfelschneckennudeln
Dem Einheitsgeschmack wird Vorschub geleistet, und gleichzeitig wird die Vernichtung heimischer Sorten wie auch natürlichen Lebensraums in Kauf genommen. Nur was sich industriell vermarkten läßt, ist erwünscht, alles andere hat zu unterbleiben. EU sei Dank.
Blüte des Dülmener Rosenapfels
Nicht nur, daß mit dem Aussterben alter Sorten der zur Verfügung stehende Genpool, der für die Resistenz gegen Krankheiten und Schädlingen bzw. die Anpassung an die Klimaerwärmung erforderlich ist, zusammenschrumpft. Neueste Forschungsergebnisse zeigen überdies, daß hier ein unschätzbares gesundheitsförderndes Lebensmittel verloren ginge.
Der Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen ist in Supermarktware nur noch unzureichend vorhanden. Hier sind insbesondere die Polyphenole zu nennen, die meiner Meinung nach bei der Beurteilung der einzelnen Kultursorten wesentlich entscheidender für die gesundheitsfördernde Wirkung sind als Vitamin C, an welchem heutzutage kein Mangel in unserer Ernährung besteht. Mit den säuerlich-bitteren Geschmackskomponenten hat man zugleich auch die Polyphenole aus den Früchten gezüchtet.
Gut nur, daß man zu dieser Erkenntnis, 5 vor 12 sozusagen, noch gelangt.
Ebenso können allergiegeplagte Menschen aufatmen, althergebrachte Sorten bergen im Vergleich zu Neuzüchtungen ein erheblich geringeres allergenes Potential, somit können die Früchte von Apfelallergikern nun wieder ohne Risiko verzehrt werden, was im Einzelfall natürlich vorher ausprobiert werden sollte. Dieses kann von Sorte zu Sorte unterschiedlich sein.
Wie die Äpfel unterscheiden sich auch die Menschen!
Mehr zum Aspekt der besseren Verträglichkeit alter Apfelsorten bei ZDF Umwelt.
Der hier vorgestellte Tafelapfel Minister von Hammerstein, hält sich übrigens auch ohne weiteres bis Ostara im Folgejahr, ohne industrielles CA Lager.
Feuerbrand bei der hochempfindlichen
Quitte, Triebspitze gekrümmt,
Früchte verbräunt
Die von der nordischen Göttin Iduna behütete Frucht der ewigen Jugend, wird zunehmend von einer aus Nordamerika stammenden Bakterie bedroht, mit dem Namen: Erwinia amylovora. Die Infektion erfolgt hauptsächlich über die Blüten, die als Eintrittspforte für den Erreger fungieren. Besonders in feuchtwarmer Witterung kommt es zur Übertragung der Bakterien durch Pollen, den blütenbefruchtende Kerbtiere bei der Bestäubung verbreiten. Das Krankheitsbild äußert sich durch vertrocknete Triebspitzen, krückstockartig gekrümmt, schwärzliche Früchte, und wie verbrannt wirkendes Laub. Verwechslungen der Symptome kann es mit Bakterienbrand (Pseudomonas syringae), Spitzendürre (Monilinia), sowie Krebs (Nectria galligena) geben. Birnen- und Quittenbäume sind davon besonders betroffen, und einmal angesteckt, meistens nicht mehr zu retten. Frühzeitiges Herausschneiden der betroffenen Stellen kann manchmal die Krankheit eindämmen, führt aber bei ihnen meist nicht zur Heilung. Bei Äpfeln verspricht der Rückschnitt schon mehr Aussicht auf Erfolg. Eine Bekämpfung ist im Hausgarten, anders als im Erwerbsanbau (mit Ausnahmegenehmigung), mit dem Antibiotikum Streptomycin, nicht zugelassen. Alternative Präparate wie die Hefe: Candida sake, sind für den Privatanwender nicht erhältlich, das Spritzmittel BlossomProtect™, nur zur Vorbeugung einsetzbar.
Bei hoher Luftfeuchte tritt Bakterienschleim aus,
ein eindeutiges Erkennungszeichen
Von Feuerbrand ist nur das Kernobst in seiner Existenz bedroht, Stein- und Beerenobst, Walnüsse, Hasel, andere Laubgehölze, Nadelbäume und krautige Pflanzen werden nicht befallen. Als Wirtspflanzen gelten besonders Rot- und Weißdorn, sowie großblättrige Zwergmispeln (Cotoneaster). Bei Apfelbäumen kommt es insbesondere auf die Sortenwahl an, sie bestimmt hauptsächlich die Pflanzengesundheit. Der hier vorgestellte "Minister von Hammerstein" zeigt leider eine hohe Anfälligkeit. Befallsfrei oder gering anfällig sind andere alte Apfelsorten: Dülmener Rosenapfel, Graue Französische-, Harberts-, Kanada-, Zabergäu-, Zuccalmaglios- Renette, Schwaikheimer Rambour (Lohrer Rambour), Jakob Fischer, Kaiser Wilhelm, Roter Hauptmann, Prinzenapfel oder der Boskoop (Renette de Montfort). Bei Birnen ist man auf amerikanische Neuzüchtungen angewiesen, wer Quitten pflanzen will, der muß sich auf die Neuheiten Cydora und Cydopom beschränken. Alle anderen Sorten sind stark durch den Feuerbrand gefährdet!
Hier folgt eine kleine Bilderschau alter württembergischer Regionalsorten.
Schwaikheimer Rambour,
syn. Lohrer Rambour
Alles wissen - alte Apfelsorten (HR)
Letzte Änderung: 03.05.2009