Bibernelle

Pimpinella saxifraga
(Doldengewächse - Apiaceae)
Volksnamen: Pimpinelle, Pfefferwurz, Theriakwurzel, Bockwurz
Engl.: Burnet Saxifrage; Franz.: Pimprenelle

Bibernelle gehörte zu den Pestkräutern:

„Iß Ehrenpreis und Bibernell, dann stirbst du nit' so schnell.“

Dieser Spruch war im gesamten deutschen Sprachraum bekannt und sollte Cholera und Pest den Garaus machen.

Als im Heer Kaiser Karls des Großen die Pest ausbrach, soll dem Herrscher im Schlaf ein Engel erschienen sein, der ihm riet, am nächsten Tag einen Pfeil in die Luft zu schießen. Wo dieser auf die Erde träfe, würde er ein Kraut finden, das die Pest zu bannen im Stande sei.

Bibernelle mit Wurzel

Die mehrjährige Pflanze ist in der Natur an feuchten Stellen immer noch weit verbreitet, läßt sich aber durch Aussaat im Garten leicht ansiedeln und verwildert rasch. Sie mag absonnige Standorte, in gutem, feuchten Boden; wird ca. 1 m hoch und schmückt sich mit den typischen weißen Doldenblüten. Verpflanzen ist nicht möglich, da sich eine lange Wurzelrübe ausbildet.

Die Blätter schmecken pikant, scharf und würzen herzhafte Gerichte, Suppen und Salate, können auch mitgekocht werden, da die Blätter derb sind. Fette Speisen macht das Kraut bekömmlicher, so ist es eine Zutat der berühmten Hamburger Aalsuppe.

Blätter und Wurzel sind roh eßbar. Jedoch sollte man beim Sammeln in der Natur vorsichtig sein, da man es mit giftigen Doldenblütler verwechseln kann, etwa der Hundspetersilie.

Blüte des Wiesenknopfs
(Sanguisorba minor)

Verwechslungen gab und gibt es bei der Bibernelle immer, und zwar mit dem Wiesenknopf. Warum ist mir ein Rätsel, da sich beide am Geschmack sofort unterscheiden lassen. Der Wiesenknopf (Sanguisorba) gehört zu den Rosengewächsen, die sehr viel zarteren, kleineren Blätter schmecken gurkenartig. Auch im Englischen setzt sich die Gleichsetzung fort: So heißt die Sanguisorba dort „Salad Burnet“. Er bevorzugt im Gegensatz zur Bibernelle sonnige, trockene Standorte. Der Wiesenknopf wird fälschlicherweise immer wieder als Pimpinelle bezeichnet, und ist wesentlich häufiger als Küchenkraut verbreitet, jedoch nicht so heilkräftig wie die „Echte“ Pimpinelle.

Blätter des Wiesenknopfs

Die lange weiße Wurzel wurde in der Volksmedizin gegen Entzündungen, Heiserkeit, und Verdauungsbeschwerden eingesetzt.

Aber nicht ausschließlich dort, sie hatt gar wundersame Wirkung. In einem historischen Kräuterbüchlein heißt es:

„Die Bibernelle hat eine wunderbare Kraft, die Milch zu mehren; denn wenn sie die Säugenden nur im Busen tragen, bringt es in sechs Stunden die Milch so gewaltig, daß man das Kraut hinwegtun muß.“

Zum Schmieren der Glieder fand sie auch Anwendung:

„Der Saft der Bibernelle mit Rosenöl und ein wenig Wein wohl gesotten, ist eine gute Arznei für den Krampf, getrunken und die Glieder damit geschmiert.“

Der botanische Namensbestandteil saxifraga heißt wörtlich „Steinbrech“. Dies bezieht sich auf die frühere Verwendung bei Nieren und Blasensteinleiden. In der Wurzel ist außerdem ein schwarzer Farbstoff enthalten, der zur Ledergerbung eingesetzt werden kann.

Blatt der Bibernelle

Die große Zahl der Gewürz- und Heilpflanzen innerhalb der Familie der Doldenblütler ist auf einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen zurückzuführen. Die bekanntesten sind der Kümmel, Dill, Fenchel, Petersilie, die Möhre, oder eben der einjährige Verwandte der Bibernelle, der:
Anis (Pimpinella anisum).
Dem Habitus und dem Blattwerk dem großen Bruder äußerlich sehr ähnlich. Der Anis ist eine ausgewilderte Pflanze, die früher bei uns nicht heimisch war.

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Letzte Änderung: 18.08.2010