Wald-Ehrenpreis

Veronica officinalis
(Rachenblütengewächse - Scrophulaceae)
Volksnamen: Männertreu, Grindkraut, Wundheilkraut, Gewitterblume, Bunger
Engl.: Common Speedwell; Franz.: Véronique

Der echte Ehrenpreis ist eines der Pestkräuter:

„Iß Ehrenpreis und Bibernell, dann stirbst du nit' so schnell.“

Dieser Spruch war im gesamten deutschen Sprachraum bekannt und sollte Cholera und Pest den Garaus machen.

Im Gegensatz zu anderen Pflanzen wie Johanniskraut oder der Eiche, zieht er angeblich den Blitz an, deshalb vermied man es, ihn ins Haus zu tragen.

Echter Ehrenpreis
(Veronica officinalis)

Es gibt viele seiner Verwandten, die den Einzug in unsere Gärten gefunden haben, sowie der überall vorkommende Gamander-Ehrenpreis und der Persische Ehrenpreis, doch keiner ist so heilkräftig wie der Echte Wald-Ehrenpreis.

Der mehrjährige Rachenblütler - die bekannteste Pflanze dieser Gattung ist sicherlich das Löwenmäulchen - stellt keine besonderen Ansprüche an den Standort oder das Substrat. Er blüht Juni/Juli an sonnigen Standorten. Lediglich sollte man im Garten darauf achten, daß er nicht von anderen überwuchert wird, da er nicht sehr konkurrenzstark ist und nur 20 cm hoch wird. Die Blütenpracht kann mit den Gartenveronikas nicht mithalten.

Der Ehrenpreis kuriert im Volksglauben 9 Krankheiten. Das einstige Universalheilmittel verschwand jedoch in der Versenkung und findet kaum noch Beachtung. Das ist verwunderlich, zumal es offizinell ist, d.h. als Heilpflanze anerkannt war. Innerlich wie äußerlich zeigt es seine Kraft, so als Tee bei Husten und bei hohem Cholesterinspiegel. Es reinigt Blut, Leber und Nieren, stärkt das Gedächtnis und hilft bei Hautleiden.

Persischer Ehrenpreis im Gras
(Veronica persicum)

Der Volksnamen Grindkraut weist auf die frühere Verwendung bei Krätze hin. Aber nicht nur dort, er wurde als wahres Allheilmittel gepriesen:

„Ehrenpreis hat billig den Namen und soll von jedermann hochgeachtet werden. Denn es gibt kaum ein köstlicheres Kraut für die angegriffene Lunge und Brust, wider den Husten, schweren Atem, eiterige Geschwüre und Schwindsucht.“

Man kann die hellblauen Blüten und die Blätter als eßbare Dekoration oder als Salat zubereiten. Ehrenpreis schmeckt leicht grasig, etwas bitter.

Die Sage erzählt von einem Schäfer, der einst einem verletzten Hirsch folgte und sah, wie dieser sich in die Matte der blauen Blüten legte und davon fraß. Sofort schlossen sich seine Wunden. Der Hirsch gibt in vielen europäischen Erzählungen Hinweise auf heilsame Kräuter oder besonders heilkräftige Quellen. (Hirschquelle®/Heilwasser).

Das germanische Symboltier wurde wie so vieles christlich umgemünzt. Hubertus, dem späteren Bischof von Tongern († 726 in Lüttich), wurde die Mär angedichtet, daß ihm ein Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih erschienen wäre, und er sich deshalb zum Christentum bekehrt habe. Erst im fünfzehnten Jahrhundert verkörperte er auch den weltlichen Jäger, und gilt seither als Schutzpatron der Jägersleute.

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Letzte Änderung: 28.12.2011