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Eiche
Buchengewächse (Fagaceae)
Quercus robur
Volksnamen: Stiel-Eiche, Sommereiche
Engl.: Common Oak; Franz.: Chêne commun; Ital.: Quercia commune
Der Marienkäfer ist eines der heiligen Tiere der germanischen Göttin Ostara, die Eiche ist Donar geweiht.
Die Stieleiche oder auch Deutsche Eiche ist die in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Eichen-Art. Sie bevorzugt das Flachland, kommt aber auch in den Alpen bis 900 m Höhe vor. Sie ist typischer Bestandteil großer Auengebiete und bodenfeuchter Ebenen. Die Stieleiche bildet eine kräftige Pfahlwurzel; dank ihrer Wurzeln ist sie äußerst sturmfest. Sie kann mit ihnen auch stark verdichtete Böden erschließen, um tiefliegendes Grundwasser zu erreichen.
Es handelt sich bei der Stieleiche um eine sogenannte Lichtholzart, dh sie kann im dunklen Waldschatten nicht optimal wachsen. Deswegen entwickelt sie ein rasches Jugendwachstum, um schnell ans Licht zu gelangen. Im Alter ist der Zuwachs jedoch gering. Nur die äußersten Zweige tragen Blätter, so daß genügend Licht auf den Waldboden gelangen kann. Im freien Stand hat die Stieleiche einen kurzen Stamm und eine weitausladende Krone.
Blüte der Wintereiche
Männliche Blütenähren und weibliche Stempelblüten erscheinen im Mai bis Juni und sind auf einem Baum vereint (einhäusig). Die Eicheln reifen schon im ersten Herbst. Die gestielten Früchte verleihen der Stieleiche ihren Namen, die Blätter sind ungestielt.
Das schwere harte Holz enthält viel Gerbstoffe und kann deshalb auch unter Wasser jahrhundertelang der Fäulnis widerstehen. Deshalb spielt Eichenholz auch eine besondere Rolle im Schiffsbau.
Die Eiche wurde bei vielen indo-germanischen Völkern als heiliger Baum verehrt. Sie war in Griechenland Zeus, in Italien Jupiter und in Germanien Donar geweiht.
Die Griechen benannten die Nymphen des Waldes, die Dryaden, nach ihr und auch der Name des keltischen Priesters, des Druiden, geht auf den griechischen Namen der Eiche (Drys) zurück.
Steineiche (Quercus ilex)
Nicht nur in Griechenland sondern im gesamten Mittelmeerraum heimisch ist die Steineiche, auch Ilexeiche genannt (En: Holm Oak). Sie gedeiht dort in Küstennähe, verträgt volle Sonne und Trockenheit. In der Jugendform sieht sie einer Stechpalme verblüffend ähnlich. Die Blätter sind oben glänzend dunkelgrün, die Unterseiten sind mit einem weißen Flaum überzogen. Das Laub ist variabel. Bei jungen Bäumen ist es gezähnt, später wird es ganzrandig. Die etwa 2 cm großen Eicheln sind spitz zulaufend.
Amerikanische Roteiche
Die amerikanische Roteiche (Northern Red Oak; Quercus rubra), nicht zu verwechseln mit der einheimischen Art: Quercus robur, ist mittlerweile die wichtigste fremdländischen Laubholzart der mitteleuropäischen Forstwirtschaft. Sie ist auch als Parkbaum und im öffentlichen Grün sehr beliebt. Durch die leuchtend rot oder braune Herbstfärbung der Blätter leicht zu erkennen. Die Eicheln sind wesentlich gedrungener, nur bis 2,5 cm groß, in einem flachen schüsselförmigen Becher. Das Holz ist jedoch weniger wertvoll als das von der Stieleiche, und ist beispielsweise für den anspruchsvollen Faßbau nicht geeignet.
Im Zuge der Christianisierung wurden viele heilige Eichen gefällt, besonders bekannt ist die Geschichte von der Bonifatius-Eiche. Schon im Alten Testament war die Eiche Sinnbild des Götzendienstes. So warnt der Prophet Jesaja im 8. Jh. v.d.Z. die Israeliten: „Ihr liebt eure heiligen Eichen und umgebt sie liebevoll mit Hecken. Von den Götzen, die ihr dort verehrt, erwartet ihr neue Lebenskraft. Es wird eine bittere Enttäuschung für euch werden!” (Jes 1,29)
Im 18. Jahrhundert wurde in Deutschland die Eiche zum Symbol des Heidentums und - besonders befördert durch Klopstock (Friedrich Gottlieb Klopstock)- zum deutschen Nationalbaum. Seit dem frühen 19. Jahrhundert ersetzt Eichenlaub den Lorbeerkranz der Antike. Die festen Wurzeln machten die Eiche besonders geeignet als Symbol für Heimatverbundenheit und Standfestigkeit, wie es etwa das Niedersachsenlied zum Ausdruck bringt:
Fest wie uns´re Eichen halten allezeit wir stand,
wenn Stürme brausen über´s deutsche Vaterland.
Der deutsche Name ist mit dem lateinischen esca = Speise verwandt, was darauf hinweist, daß die Früchte des Baumes früher große Bedeutung für die Schweinemast hatten, während sie für Rinder und Pferde giftig sind. Aus der Rinde wurden Gerbstoffe für die Lohgerberei gewonnen. Und die Galläpfel, die durch die Eier der gemeinen Eichengallwespe hervorgerufen werden, dienten früher der Herstellung der dokumentenechten Eisengallustinte.
Eicheln der Stieleiche
Anfang Oktober
Wie viele Tiere einen Baum zu ihrem Lebensraum machen, hängt nicht allein von seiner Höhe ab, sondern vom Alter. Denn je älter er ist, desto vielschichtiger ist er. Außerdem kommt es auch auf die Art an: Eine Buche ist beispielsweise grundsätzlich ärmer an Bewohnern als eine Eiche, welche hierzulande die größte Artenvielfalt eines Baums überhaupt aufweist. So wurden auf einer einzigen Eiche schon bis zu 112 verschiedene Käferarten gefunden.
Leider ist auch der heilige Baum der Deutschen massiv bedroht. Die „Eichensterben” betitelte Krankheit macht den Stiel- und Traubeneichenbeständen seit Anfang der 80'er Jahre schwer zu schaffen. Abgestorbene Astpartien, lichte, teils vergilbte Kronen und vor allem Wurzelschädigungen sind die Merkmale. Dies führt auf ungünstigen Standorten oft zum völligen Absterben. Ausfindig gemacht wurden u.a. bodenbürtige Phytophtora Schadpilze. Bisher gibt es nur Mutmaßungen, warum diese Schädigungen immer häufiger auftreten. Es werden die veränderten Umweltfaktoren ins Feld geführt, so die voranschreitende Klimaerwärmung in Mitteleuropa, der vermehrte Stickstoffeintrag, und die Bodenverdichtung durch schweres Gerät der Forstwirtschaft. Im Waldzustandsbericht 2008, ist die Eiche als der am meisten geschädigte Baum aufgeführt. Je nach Bundesland schwankt die Zahl zwischen 29% (Hessen und Brandenburg) und 60 % Deutliche Schäden (Rheinland-Pfalz)
Als wenn das nicht schon genug wäre, leiden lt. Vegetationsgutachten Jungbäume der Buche, Tanne, Esche und Ahorn am stärksten unter Wildverbiß.
Wer 400-jährige, mächtige Alteichen in großer Zahl bewundern möchte, sollte die Schutzgebiete Eichhall, Rohrberg und Metzgergraben & Krone im Spessart besuchen.
1000 Jahre überlebt - Die Biografie der Eiche (Schulfernsehen/Bayerischer Rundfunk)
Alle Teile der Eiche, besonders unreife Eicheln, sind wegen der enthaltenen Gerbstoffe giftig und können zu Magenschleimhautreizung, Erbrechen und Durchfällen führen. Die Eiche wird auf Grund dieses Gerbstoffgehaltes ihrer Rinde aber auch in der Volksmedizin als Heilpflanze eingesetzt. Gesammelt wird die frische Eichenrinde im Frühjahr. Getrocknet und gemahlen kann daraus ein Sud gekocht werden, der sowohl äußerlich als auch als Tee (nie mehr als zwei Tassen täglich) angewandt wird. Anwendungsgebiete sind schwere chronische Entzündungen des Magen-Darm-Traktes sowie nässende Ekzeme oder heiße Entzündungen. Vor jeder Anwendung ist aber unbedingt ärztlicher Rat einzuholen!
Letzte Änderung: 23.09.2009