Tüpfel-Johanniskraut

Hypericum perforatum
(Hartheugewächse - Hypericaceae)
Volksnamen: Balderskraut, Hartheu, Hartenau, Jageteufel, Tüpfel-Johanniskraut
Engl.: Common Saint Johns wort; Franz.: Millepertuis;
Ital.: Erba di S. Giovanni comune

Das an Mittsommer-Litha in Blüte stehende Kraut wurde in Sonnwendsträußen verwendet. Dazu nahm man Balderskraut, Kraftwurz (Arnika), Holler, Sonnenbraut (wahrscheinlich Wegwarte oder Quendel) und Besenkraut (Beifuß), band es zu einem Strauß zusammen, zog es dann 3 mal durch den Rauch des Sonnwendfeuers und hängte es zuhause auf. Glück und Gesundheit sollten einem so zuteil werden.

Kriechendes Johanniskraut
(Hypericum reptans)

In christlicher Zeit wurde der Tag der Sommersonnenwende zum Namenstag des heiligen Johannes umgewidmet. Das Sonnwendfeuer wurde in Johannisfeuer umbenannt und auch das Balderskraut bekam diesen Namen.

Das Balderskraut soll an diesem Tag seine Zauberkräfte besonders entfalten und wurde für Heil- und Schutzzauber verwendet. Kränze wurden daraus gebunden und auf den eigenen Kopf gesetzt, an der Stalltür oder dem Hausdach angebracht. Ein alter Volksspruch zeugt von der Verwendung als Donner- und Blitzkraut:

„Hartenau und Dill, machts Gewitter still“

Dazu das Balderskraut ins Herdfeuer werfen!

Opfertiere und Altäre wurden an Mittsommer bei den Germanen damit geschmückt, diese Riten waren ohne das Kraut Balders undenkbar.

Großblütiges- bzw. Griech. Joh. Kraut
(Hypericum olympicum)

Die Blüten haben einen schwach balsamischen Geruch und einen etwas bitteren, leicht harzigen zusammenziehenden Geschmack. Die mehrjährige Pflanze wächst gern auf sonnigen Flächen, Wiesen und Waldrändern. Man sammelt die Blüten samt den oberen Teilen. Die zerquetschten Blütenknospen ergeben einen dunkelroten, öligen Saft.

Die stark entzündungshemmenden und antimikrobiellen Eigenschaften machte man sich durch das Ansetzen eines Öles zunutze. Empfindliche Personen sollten lieber darauf verzichten, da es Hautreizungen verursachen kann und phototoxisch wirkt. Da der Gehalt an Hypericin jahreszeitlich stark schwankt, sei hier auf standardisierte Präparate in der Apotheke verwiesen.

Öldrüsen im Blatt von Hypericum
perforatum (=durchlöchert)

Bei Nervenleiden wird das Kraut heutzutage in großen Stil verabreicht, da es depressive Verstimmungen positiv beeinflußt. Die stimmungsaufhellende Wirkung, die heute bekannt ist, wurde auch schon im Mittelalter beobachtet. So war es eines der Lieblingskräuter von Paracelsus:

„Dost, Hartheu und Wegwarte tun dem Teufel viel Leid an“

Auf mageren trockenen Böden vorkommend, wächst das mehrjährige Kraut bis 1 m hoch. Von anderen Arten unterscheidet sich das Echte Johanniskraut durch die Öldrüsen, die das Blatt durchlöchert erscheinen lassen und von denen die Bezeichnung Hypericum perforatum herrührt. Das kleine Vorschaubild zeigt dagegen Hypericum reptans.

Dem Volksglauben entspringt eine Geschichte, nach der der Teufel auf das Johanniskraut voller Wut eingestochen haben soll, weil es so heilkräftig war, damit erklärte man sich die durchsichtigen Punkte auf den Blättern.

Gewöhnlicher Teufelsabbiß
(Succisa pratensis)

Dem Teufel wird auch eine Sage angedichtet, nachdem er an der Wurzel des Teufelsabbiß genagt habe, um gesund zu werden, daher nannte man sie so. Weiter erzählt sie davon, daß der Teufel Gott drohte, er werde den Menschen alle Finger abbeißen, damit sie nicht länger zu ihm beten könnten. Da ließ Gott flugs eine Blume wachsen, die alle Wunden heilen sollte. Satan bemerkte dies aber und biß daraufhin die Wurzel der Pflanze ab. Gott hatte dies vorausgeahnt, und aus dem Stumpf des Teufelsabbiß wuchsen viele kleine Nebenwurzeln.

Man verwendete ihn vielseitig, auch bei Augenleiden; eine in der Johannisnacht gegrabene Wurzel legte man auf schmerzende Augen.









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Letzte Änderung: 28.12.2011