Waldmeister

Rötegewächse (Rubiaceae)
(Galium odorata (syn. Asperula odorata))
Volksnamen: Herzfreund, Maikraut, Sternleberkraut
Engl.: Sweet Woodruff; Franz.: Aspérule odorante; Ital.: Caglio odoroso

Ganze Teppiche seines frischen Grüns bedecken den "Fußboden" der weiten "Buchenhallen", in deren Schatten sich eine Bodenvegetation nur vor dem Laubaustrieb der Bäume entfalten kann. Waldmeister ist eine Labkrautart, deren Wurzeln alle einen roten Farbstoff enthalten, beim Waldmeister jedoch weit weniger als bei der Färberröte oder Krapp (Rubia tinctoria). Deshalb Rubiaceae, ruber = rot.

Scheinquirl

Der Waldmeister ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die ein kriechendes Rhizom hat. Er hat einfache, vierkantige Stängel. Die anfangs hellgrünen später dunkelgrünen, lanzettlichen, am Rande mit feinen Borsten besetzten Blätter stehen zu sechst, oben zu acht in Scheinquirlen, dh die Nebenblätter sehen wie die übrigen Blätter aus und sind quirlartig angeordnet. Scheinquirle sind typisch für Rötegewächse wie zum Beispiel Labkräuter oder Färberkrapp.

Der Waldmeister blüht im Mai. Die kleinen borstigen Früchte haften wie Kletten.

Den Wohlgeruch, den das welkende Maienkraut ausströmt, kennt wohl jeder, er wird vom Cumarin hervorgerufen. Gelegentlich treten jedoch bei zu reichlichem Genuß der Waldmeisterbowle Kopfschmerzen auf, die mit dem Cumarin in Zusammenhang stehen, nicht wegen des evtl. enthaltenen Alkohols wohlgemerkt.

Kletten-Labkraut

Ein Rezept aus dem Jahre 854 von einem Benediktinermönch lautet folgendermaßen: "10 Stengel auf einen Liter Wein, 1 Stunde ziehen lassen, Pflanzen herausnehmen". Sekt existierte zu dieser Zeit noch nicht, welcher heute ein wichtiger Bestandteil dieser Bowle ist.

Für die Kelten war der Waldmeister eine Pflanze, die Glück und Reichtum anzog und dem Athleten zum Sieg verhalf; an heiligen Tagen streute man ihn, zusammen mit Buchsbaum, getrockneten Rosenblättern und Lavendelblüten auf den Boden, um so Räume zu schmücken und sich mit den Naturkräften zu verbinden.

Die Volksheilkunde erkannte jedoch auch bald die Heilwirkung des Waldmeisters, in dem wir heute, neben dem Cumaringlycosid, Asperulosid, Bitterstoffe, Gerbstoffe und weitere Wirksubstanzen nachweisen können.

Die Volksnamen wie Herzfreund weisen auch auf die Wirkung dieser beliebten Heilpflanze hin, da der Hauptinhaltsstoff Cumarin blutverdünnend ist. Heutzutage wird aber von der Anwendung abgeraten, da mit problematischen Nebenwirkungen zu rechnen ist, die Leber und Niere schädigen. Waldmeistertee als Schlafmittel hat aber nach wie vor seine Berechtigung. Eingesetzt in Teemischungen soll er auch gegen Migräne helfen.

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Letzte Änderung: 25.12.2008