Gemeiner Frauenmantel

Alchemilla vulgaris
Rosengewächse (Rosaceae)
Volksnamen: Taublatt, Perlkraut, Alchemistenkraut, Sinau, Jungfernkraut
Engl.: Lady's Mantle; Franz.: Alchémille

Das heimische mehrjährige Heilkraut steht in der Natur an feuchten Plätzen, wie in Feuchtwiesen und an Bachufern und Gräben, gerne auch halbschattig. Die unscheinbaren gelbgrünen Blüten erscheinen ab Mai an den Pflanzen.

Als das Kraut der Weiber war es den Germanen heilig und ihrer Göttin Freya geweiht. Bei den Christen wurde der Frauenmantel als Pflanze der Jungfrau Maria zum Sinnbild aller Schutzsuchenden.

Der geschützte Silbermantel (Alchemilla alpina) gedeiht im Gebirge und gilt als heilkräftiger als der gewöhnliche Frauenmantel, ist wesentlich schwächer im Wuchs als Alchemilla mollis, syn. A. vulgaris. Mit seinen kriechenden Rhizomen bildet er Matten von nur ca. 15 cm Höhe.

„Perlkraut“ mit Tautropfen

Die Alchemisten des Mittelalters versuchten, aus dem in den frauenmantelartig gefalteten Blättern befindlichen „Tautropfen“ Gold zu gewinnen. Daher rührt der botanische Name. Auf den mit einer wasserabweisenden Schicht überzogenen Blättern entsteht besonders im Sommer dieser „Tau“, hierbei handelt es sich um von der Pflanze aktiv ausgeschiedenes Wasser, sog. Guttationstropfen, die durch die Wasserspalten ausgeschwitzt werden. Dieses wurde in früheren Zeiten von den Weibern zur Gesichtspflege benutzt.

Das Heilkraut wurde im Mittelalter hoch geschätzt, seine Lobpreisungen gingen sogar soweit, daß man glaubte, er könne das Hymen der Frau wieder zusammenwachsen lassen.

Tabernaemontanus rät:

„Dieses Kraut in Regenwasser, oder aber in Leschwasser, darin die Schmied das glühende Eisen ablöschen, gesotten und mit demselbigen Wasser die heimlichen Örter der Weiber gewaschen,
dringet es dieselbigen zusammen als wenn sie Jungfrauen werend.“

„Das Busenwunder“ bei Schroeder:

„Wenn eine Frau, die weiche Brüste hat, in die Badstube geht
und im Ausgang ein mit Sinau genetztes Tüchlein überlegt, bekommt sie straffe Brüste.“

Diesen Ratschlägen liegt offensichtlich die Beobachtung einer zusammenziehenden Wirkung des Heilkrautes zugrunde. Heutzutage wird ein Aufguß bei Scheidenreizungen empfohlen, das Kraut soll die Wechseljahrsbeschwerden erleichtern, vor und nach einer Schwangerschaft stärkt es die Beckenorgane und regt den Milchfluß an.

Silbermantel (Alchemilla alpina)

Paracelsus sagte, es gäbe keine Wunde, die der Frauenmantel nicht heilen kann. Äußerlich aufgelegte zerquetschte Blätter helfen bei kleineren Wunden, frische Blätter kaut man bei Zahnweh. Erklären lässt sich die Wirkung mit der enthaltenen Salicylsäure, uns besser in Tablettenform bekannt als Aspirin®. Dieser Bestandteil und enthaltene Tannine lassen die Blätter leicht bitter schmecken, das sollte einen aber nicht davon abhalten, Salat oder ähnliches zuzubereiten, am besten in einer bunten Mischung.

Bei diesen Beispielen von Heilwirkungen will ich es bewenden lassen, man kann aber erkennen, daß die Ahnen sich sehr wohl zu helfen gewusst haben, und durch eingehende Beobachtung auch ohne Laboranalyse der Natur auf die Schliche gekommen sind.

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Letzte Änderung: 28.12.2011