Birke

Birkengewächse (Betulaceae)
(Betula pendula)
Volksname: Besenbaum
Engl.: Silver Birch; Franz.: Bouleau ; Ital.: Betulla

Hängebirken im Winter

Birken sind oft Pionierpflanzen auf freien Flächen. Heutzutage treten sie eher vereinzelt auf, während sie früher, nach der großen Vereisung vor 13.000 - 9500 Jahren, in Mitteleuropa einmal große Areale einnahmen. Natürliche Bestände der Hängebirke finden sich in Form von Eichen-Birken-Wäldern (bes. mit Stieleiche) in eiszeitlich entstandenen Sandgebieten Nordwesteuropas.

Birken stellen nur geringe Ansprüche an Boden und Klima. Birken gedeihen sowohl auf trockenen wie nassen Böden, in Heidegebieten, auf Dünen wie auf Moor. Durch ihr flaches Wurzelwerk sind sie für befestigte Flächen nur bedingt geeignet. Auch können sie sich ungünstig auf den Wasserhaushalt auswirken, so kann eine einzeln stehende Birke an einem Sommertag dem Boden 400 l Wasser entziehen.

Birken vertragen auch starke Kälte. Während die Hängebirke in Südeuropa stärker verbreitet ist, erträgt die Moorbirke (Betula pubescens) das kalte Klima in Island, im nördlichsten Skandinavien und in Ostsibirien. Bei Temperaturen unter -40°C wandelt die Moorbirke in den Zweigen Stärke in Öl um, wobei Wärme freigesetzt wird.

Weibliche Blüten
der Moorbirke

Birkenfrüchte keimen entweder noch im Jahr der Reife oder im darauf folgenden Frühjahr. Die Sämlinge können im ersten Lebensjahr 1 m hoch werden und mit gleichen Zuwächsen weiterwachsen, bis in 20 Jahren etwa 15 m Höhe erreicht sind (max. Höhe 28 m). Danach ist das Wachstum sehr viel langsamer. Die Lebensdauer ist im Süden bereits mit 50-60 Jahren erreicht, im Norden erst mit 180 Jahren.

Während die männlichen, hängenden Kätzchen überwintern, erscheinen die weiblichen, aufgerichteten erst im Frühjahr mit dem Laub. Alle Birken werden windbestäubt, daher werden in der Blütezeit von Ende März bis Ende April große Mengen an Pollen ausgeschüttet. Als Pioniergehölze verbreiten die Birken auch ihre Früchte mit dem Wind. Die kleinen, Nüßchen besitzen Flügel und erreichen 1,6 km theoretische Flugweite (d.h. ohne Wind).

Männliche und weibliche Blüten
der Hängebirke

Die wechselständigen Blätter haben einen gezahnten oder gekerbten Rand. Die querabreißende, glatte Rinde ist durch Einlagerung von Betulin weiß gefärbt. Von dieser Eigenschaft leitet sich auch der Name her, nämlich vom indogermanischen Wortstamm "bherek" = "glänzen, hell". Zur Familie der Birkengewächse gehören auch die Hasel und die Erle. Alle drei Baumarten waren für unsere Ahnen früher an einschneidenden Punkten ihres Lebens von großer Bedeutung. Für Zeugung und Kindheit steht die Hasel, die Birke für die Jugend, das Wachsen und die Reife, die Erle schließlich symbolisiert das Alter und den Tod.

Als erster unter unseren heimischen Bäumen zeigt die Birke im Frühjahr ihr Grün und gilt daher als Sinnbild der Frühlingserwachens und der Wiedergeburt. Sie ist der heilige Baum der Göttin Ostara, wird aber auch mit der Liebesgöttin Freya in Verbindung gebracht. Bei den Kelten war die Birke der Brigit geweiht, der Göttin der Weisheit und der Künste. In vielen Gegenden Deutschlands ist die Birke der traditionelle Maibaum, der am Vorabend des 1. Mai in der Mitte des Ortes aufgestellt wird. Schon im 13. Jahrhundert läßt sich dieser Brauch urkundlich nachweisen. Daneben gibt es auch die Sitte, daß junge Männern kleine Birken (sogenannte Maien) an das Haus der Angebeteten stellen.

Berkano ist die 18. Rune des germanischen Futhark und bedeutet soviel wie Birkenreis. Sie steht für Geburt und Neubeginn, für Wachstum und Kreativität. Birken sind die ersten Bäume, die sich auf Brachflächen, etwa nach einem Brand wieder ansiedeln. Mit Birkenreisern wurden einst Vieh und Anwesen vor Unheil geschützt, aus ihnen wurden Besen gebunden, die das Haus auch im übertragenen Sinn reinigten. Berkano ist überdies Inbegriff des Weiblichen, das Zeichen kann auch als die Brüste der Erdmutter gedeutet werden.

Das grüne Wunder

Mein Birkenhain stand weiß und kahl,
Die dünnen Stämmchen fror,
Da kam April und zauberte
Das Leben grün hervor.

Mit einem Schleier angethan
Steht nun mein Birkenhain;
Das grüne Wunder ist geschehn,
Nun laßt uns gläubig sein.

Nun laßt uns glauben wiederum,
Daß Leben Schönheit heißt:
Mein Birkicht ist ein Zauberwald,
In dem das Wunder kreißt.

Otto Julius Bierbaum: Irrgarten der Liebe (1901)

Weitere Dichtkunst.

Der Inhaltsstoff Betulin, der für die weiße Farbe sorgt, macht die Rinde außerdem schwer verweslich und für Nässe undurchlässig. Unsere Vorfahren machten sich diese Eigenart zunutze, indem sie die Rinde als Unterlage für Schwellen und Balken auf feuchtem Boden sowie Dachziegeln verwendeten. Noch ein weiterer Inhaltsstoff der Birken - der Birkenteer - ist von besonderer Bedeutung: er lässt die Rinde zur einer guten Fackel werden. Bereits die alten Gallier kochten diese phenolhaltige pechartige Substanz aus der Rinde heraus und verwendeten sie als Wagenschmiere und zum Abdichten von Fässern und Booten. In der Jungsteinzeit (3500-1700 vor der Zeitenwende), benutzte man noch steinerne Mörser, in denen man das Korn zerkleinerte. Dadurch gelangte auch Gesteinsabrieb in das Mehl, das beim Kauen die Zähne abschmirgelte, bis bald noch Stümpfe übrigblieben. Hier machte man sich nach neuesten Erkenntissen die betäubende Wirkung des Birkenpechs zunutzte, die man als eine Art Kaugummi kaute.

Birkenlaub im Herbst

Der zuckerhaltige Birkensaft, der während weniger Wochen im Frühling durch den Stamm in die Baumkrone fließt und sich durch Anzapfen des Stammes gewinnen läßt, ist nutzbar: getrunken dient er als Hausmittel zur Kur gegen Rheuma und Gicht. Im ländlichen Bereich wurde der Saft auch zur Kosmetik für Teint und glänzendes Haar verwendet.

Tees und Presssäfte aus Birkenblättern bewirken eine vermehrte Salz- und Wasserausscheidung. Sie werden deshalb zur Durchspülungstherapie der Nieren, bei Entzündungen der ableitenden Harnwege und Nierengries verwendet. Traditionell werden Birkenblätter auch wegen ihrer harnsäuresenkenden Wirkung bei Gicht und rheumatischen Beschwerden oder als Zusatz zu sogenannten Blutreinigungstees eingesetzt. Die sehr jungen, frischen Blätter können in Frühlingssalaten gegessen werden. Haarwässer aus Extrakten der Birkenblätter sollen gegen Haarausfall und Schuppenbildung wirken.

Die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten der Birke hat schon Wilhelm Busch trefflich bedichtet.

Birkenblätter können bei Personen, die an Heuschnupfen durch Birkenpollen leiden, zu Hautekzemen führen. Sie sollten während Schwangerschaft und Stillzeit nur mit ärztlichem Rat anwendet werden. Nicht anwenden bei Ödemen aufgrund Erkrankungen des Herzkreislaufs oder der Nieren!

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Letzte Änderung: 29.04.2009