Baldrian

Valeriana officinalis
Baldriangewächse (Valerianaceae)
Volksnamen: Dreifuß, Wundwurz, Mondwurz, Elfenkraut, Tollerjan, Katzenwargel
Engl.: Valerian; Franz.: Valériane; Ital.: Valeriana comune

Der deutsche Name Bald(e)rian geht auf den nordischen Gott des Lichtes Baldur zurück. Baldur bedeutet der Hilfsbereite, Gott der Reinheit und der Güte. Denn wie er hilft auch die Pflanze mitleidvoll und segnend jedem, der Hilfe benötigt. Ihm war er auch geweiht. In der germanischen Mythologie war Baldrian die Gerte der Göttin Hertha, die sie benutzt haben soll, wenn sie auf ihrem hopfengezäumten Hirsch durch den Wald ritt. Dabei stand der Baldrian für die besänftigenden Kräfte, mit denen man wilde Tiere zähmen konnte, wie auch unser wildes Gemüt, unsere Nervosität und Anspannung.

Mädesüß am Wegrain

Der Gattungsname "Valeriana" leitet sich von lat. "valere" ab, was "kräftig oder gesund sein" bedeutet. Die Volksnamen "Katzenwargl" und "Tollerjan" gehen auf seine Beliebtheit bei den 4-beinigen Samtpfoten zurück. Er zieht diese nicht nur magisch an, sondern kann sie geradezu verrückt machen. Eine tierische Droge. Ausprobieren kann man das indem man eine Prise davon ins Futter mischt, sie benehmen sich dann besonders verspielt.

Das mehrjährige frostharte Heilkraut findet sich bevorzugt an feuchten Waldrändern, Gräben und Ufern. Oftmals vergesellschaftet mit Mädesüß. Es kommt im gesamten kontinentalen Bereich Eurasiens ziemlich häufig vor, und wird biszur Blütezeit Juni/Juli bis 1,5m hoch. Weltweit gibt es über 300 Baldrianarten, 20 davon bei uns. Die Baldriangewächse insbesondere die Arzneipflanze Baldrian kann man von den Doldenblütlern, wie z.B. der Bibernelle leicht unterscheiden. Die Blütenstände sind anders als bei den Doldenblütlern, nicht tellerartig flach, sondern meist mehrspaltig. Beim Arznei-Baldrian, dreispaltige-fünfspaltige blaßrosa Trugdolden mit trichterförmigen Blüten, die nach oben abstehen.

Mehrspaltige Trugdolde

Ein weiteres Erkennungsmerkmal ist der längs geriffelte rötliche Stengel, der mit feinen Härchen besetzt ist, daran wachsen unpaarig gefiederte Blätter. Der Wurzelstock besteht aus mehreren gelb-braunen Einzelwurzeln, an dem auch die Ausläufer entspringen.

Der charakteristische Geruch entsteht durch die Produktion von ätherischen Ölen und Isovaleriansäure und deren Abkömmlingen. Darauf beruht vermutlich die pharmazeutische Bedeutung dieser Art, ist aber immer noch nicht vollständig geklärt. Dieser entströmt nicht nur den arzneilich verabreichten Wurzeln, sondern der gesamten Pflanze. Er läßt sich vielleicht beschreiben als eigentümlich süßlich-würzig, moschusartig, käsig oder auch ranzig, je nach Frische des Krauts. Auf jeden Fall ist er sehr intentsiv. Die Blüten duften zudem honigartig. Zwischen August und Oktober werden die Wurzelstöcke ausgegraben und gewaschen zum Trocknen aufgehängt. Die getrocknete Droge wird dann zerkleinert und in luftdichten Gefäßen aufbewahrt.

„Den Tag hör auf, den Tag fang an, mit einer Prise Baldrian.“

So steht es in einem alten Kräuterbuch geschrieben.

Frische Baldrianwurzeln
mit Ausläufer

Ein kalter Wurzelsud aus ihnen wirkt allgemein entspannend, dämpfend, erleichtert das Einschlafen. Er schläfert aber nicht ein, wie etwa der Hopfen, sondern steigert stattdessen das Konzentrations- und Leistungsvermögen. Wirkt auch auf das vegetative Nervensystem entkrampfend, so lassen sich damit Verdauungsbeschwerden, ein Reizmagen, oder Übelkeiten behandeln. Ein alkoholischer Auszug als Tinktur entfaltet die gleiche Wirkung. Dieser Tee ist ein unschädliches Hausmittel, sollte jedoch nicht zusammen mit anderen Beruhigungsmitteln eingenommen werden.

Äußerlich angewendet werden die Wurzeln gekocht, das Kraut kann man ebenfalls nutzen. Den Absud gibt man zum Vollbad, und kann die beruhigende Wirkung genießen. Ebenfalls läßt er sich als Füllung von Duftsäckchen verwenden, die man unters Kopfkissen legt. Dazu nimmt man getrocknete Blüten, Melisse, Hopfenzapfen und wenige Lavendelblüten hinein. Soll auch schon im Bett der Kleinen geholfen haben.

Jeder sollte eine Pflanze davon im Garten haben, er stärkt die Gemüse und Blumen, und zieht Regenwürmer an, auch im Kompost. Mit ihm kann man nichts falschmachen.

Hält verwandtschaftliche
Bande: Die Spornblume

Früher wurde er auch bei Kopfschmerzen und Augenleiden eingesetzt. Es hieß da:

„Des ganzen Baldrians Kraut samt den Wurzeln grün zerstoßen und umgebunden, lindert das Kopfweh. Baldrianwurzel in Wein oder Wasser gesotten und vom Absud in die Augen getropft, macht ein klares Gesicht“

Im Mittelalter verwendete man ihn zum "Ausräuchern" des Teufels und zur Vetreibung der bösen Geister. Als "Unruh" hängte man eine Strauß davon an die Stubendecke, damit ließe sich ein eintretender Gast als Hexe(r) erkennen wurde geglaubt. Je nach Gegend und Einschätzung mussten entweder eine Bewegung oder das Stillstehen des Baldrianstraußes als Anzeichen des Bösen herhalten.

Grundsätzlich aber war er voll des Guten, so war er ein entscheidender Bestandteil des sagenumwobenen Theriaks, ein Allheilmittel gegen die Pest, Seuchen und bei Vergiftungen. Im Volksglauben ist Baldrian eine Pflanze der Elfen, ein Licht- und Luftgewächs. Denn der herrliche, Licht- und Sonnengott Balder gab ihr den Namen. Er ist das Licht, also unverletzlich durch Wurf und Schlag. Wohin er kam, brachte er Segen, Glück und Frieden.

Archiv  ·  Zurück

Letzte Änderung: 25.12.2008