Blüte der Schlüsselblume, Ende März

Primelgewächse (Primulaceae)
(Primula elatior)
Volksname: Himmelsschlüssel, Kraftblume, Muckentenne, Batenge
Engl.: Oxlip, Paigle; Franz.: Primevère; Ital.: Primula

Die Echte Schlüsselblume ist eine mehrjährige, krautige Pflanze, die Wuchshöhen zwischen 10 bis 30 Zentimetern erreicht. Sie überwintert mit einem Rhizom. In Rosetten stehen die länglichen Laubblätter, die leicht gerunzelt sind . Auffällig ist der blattlose Blütenstängel, den eine vielblütige Dolde abschließt. Blütezeit ist von März bis April.

Diese Art kommt in ganz Europa und Vorderasien vor und liebt lockeren und kalkhaltigen Boden. Als Standort werden trockene Wiesen, lichte Wälder, Waldränder und Waldschläge bevorzugt.

Primula veris

Die weitverbreiterte Hohe Schlüsselblume (Primula elatior), die fast auf allen Wiesen, an Waldrändern und unter Gebüschen wächst, trägt auf ihren hohen Stengel eine hellgelbe Blütendolde, die nur schwach duftet. Sie ist in der Heilkraft der echten Schlüsselblume (Primula veris) ebenbürtig und kann genauso verwendet werden.

Die Schlüsselblume ist ein Frühlingsbote, sie gilt als Heil-und Zauberpflanze zugleich. Nach germanischer Vorstellung stammt sie aus dem Zaubergarten der Göttin Freya, deren Symbol und Attribut sie ist. Die christliche Version erzählt, dass an der Stelle, an der Petrus seine Himmelsschlüssel fallen ließ, die Pflanze wuchs, deren Blütendolden an einen Schlüsselbund erinnern.

Wegen des Saponingehaltes werden die Rhizome einschließlich der Wurzeln arzneilich als Auswurf förderndes Mittel bei Bronchitis verwendet. Volksmedizinisch werden auch die Blüten für ähnliche Zwecke verwendet. Die Wirkung ist beruhigend, krampflösend und hilft bei Husten, Migräne und Schlafstörungen.

Hohe Schlüsselblume
Ende März

Schon bei unseren Vorfahren fand die früher noch recht häufig vorkommende Wiesenschlüsselblume besondere Beachtung. Der Botaniker Hieronymus Bock empfahl schon im 16. Jahrhundert die Verwendung als Hautpflegemittel.

Hildegard von Bingen empfahl, den "Hymelslozel" bei Melancholie und Wahnvorstellungen aufs Herz zu binden. Otto Brunnenfelß (1537) bezeichnete sie als "Herba Paralysis", denn sie heile Lähmungen und Schlaganfall, Ohnmacht, Herzbeschwerden und Gicht. Tabernaemontanus schreibt 1564, sie helfe "gegen Blödhaupt, Gehirnverschleimung, das erkaltete Gehirn und verstopfte Nerven".

Ebenfalls im 16. Jahrhundert wurde empfohlen, die jungen Blätter im Salat zu essen: "Die Schlüsselblume wärmt, sie trocknet und erweicht, stillt Schmerzen, in dem Schlag sie bald ein Mittel weicht, vertreibt die laufend Gicht, zu bößer Tiere Biss. Hält man die Schlüsselblume für köstlich und gewiss".

In Form von Blütentee, einer Salbe, als Fruchtbarkeitsmittel und als Bestandteil eines Schlüsselblumenweins erfreute sie sich großer Beliebtheit.

Blätter und Blüten sind bis heute eine bereichernde kulinarische Zutat.

Dazu ein aktuelles Schlüsselblumen Blütenessig Rezept aus der ORF Fernsehsendung: Natur im Garten (Uschi gräbt um), die von Frühjahr bis Herbst wöchentlich Montag nachmittags auf 3Sat wiederholt wird. Wenn einem Eßlöffel Blütenessig, noch ein halber EL Holunderblütensirup hinzugefügt wird, stillt dieses erfrischende Getränk hervorragend den Durst.

Selbst krankem Vieh sollte die Schlüsselblume helfen, sofern man sie vor Sonnenaufgang gepflückt hatte und in der Walpurgisnacht ins Futter mischte.

Wurzeln als auch Blätter sind zur Herstellung von Tee geeignet, der äußerlich als Gesichtswasser dienen kann, innerlich gegen Husten hilft und das Herz stärken soll.

Schlüsselblumen enthalten wenig bis kein Primin, das stärkste natürliche Kontaktallergen, das vor allem die häufig als Frühjahrsblüher angebotene Primula obconica problematisch macht.

Dank ihrer großen Popularität als Heilpflanze und Zutat des Schlüsselblumenweins ist die Schlüsselblume eine bedrohte Pflanze. Das Sammeln der Pflanze in der Natur sowie das Ausgraben ist streng verboten. Sie steht in Deutschland unter Naturschutz.

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Letzte Änderung: 25.12.2008