Beifuß

Artemisia vulgaris
Korbblütler (Asteraceae)
Volksnamen:
Himmelskehr, Besenkraut, Johannisgürtel, Gänsekraut, Mugwurz (Machtwurz)
Engl.: Mugwort; Franz.: Armoise

Beifuß gehört zu den Sonnwendkräutern und ist eine Brautpflanze. Es wird zu Sonnwendsträußen gebraucht, dazu nimmt man Balderskraut, Kraftwurz (Arnika), Holler, Sonnenbraut (wahrscheinlich Wegwarte oder Quendel), und eben Besenkraut (Beifuß), und band es zu einem Buschen zusammen, zog es dann 3 mal durch den Rauch des Sonnwendfeuers und hängte es zuhause auf. Glück und Gesundheit sollten einem so zuteil werden. Man flechtete auch Gürtel den man an sich trug und danach in die lodernde Glut warf, um somit Unglück und Schaden in diesem Jahr von sich abzuwenden. Dem der Beifuß bei sich trägt, der schützt ihn vor Behexung und dem Teufel.

„Man nennts auch St. Johanns Gürtel,
darum daß die Abergläubischen an Sankt Johanns Abend
sich damit gürten und krönen für bös Gespenst,
Unfall und Krankheit desselbigen Jahres.“

Matthiolus

Beifuß Blütenähre

Die anspruchslose Wildstaude, die in Europa häufig an Hecken und in Brachland vorkommt, wächst fast mannshoch. Sie ist über die gesamte Nordhalbkugel verbreitet. Die mehrjährige Staude verholzt im unteren Bereich und verästelt sich. Die Blätter sind oberseits dunkelgrün, unterseits silbrig-filzig. Die Stengel sind rötlich von Anthocyan gefärbt. Es bilden sich im August/September einfache Blütenrispen. Der Geruch ist angenehm würzig, hat keinen bitteren Beigeschmack, wie andere aus der Artemisienfamilie. Geerntet wird Beifuß am Besten, wenn er kurz vor der Blüte steht, also Juli bis August.

In heutiger Zeit findet er noch gelegentlich in der Küche Verwendung bei fettem Essen, insbesondere bei Gänsebraten ist er beliebt: er hilft schwere Kost besser zu verdauen. Früher wurde er viel mehr eingesetzt. So würzten die Germanen ihr Bier damit, durch die rötliche Farbe des ätherischen Öls entstand ein rotes Bockbier mit beträchtlichem Potential. Dies rührt von der im Vergleich zum großen Bruder, dem Wermut, relativ geringen Menge an enthaltenem α-Thujon (Absinthol).

Beifuß, der Name deutet es an, wurde früher in die Schuhe gelegt, und man erhoffte sich so Linderung von den Strapazen auf langen Wanderungen. Die Herkunft des Namens wird jedoch von dem mittelhochdeutschen Wort „bîbôz“ abgeleitet, was soviel wie etwas „Beigestoßenes“ bezeichnete, also ein Würzkraut, das zur Speise dazukam. Daraus schloß man, daß Beifuß das Gewürz schlechthin bei den Germanen war. Daß er schon seit Jahrtausenden bekannt und im Gebrauch ist, belegen diverse Funde aus der Jungsteinzeit. Bei allen heidnischen Völkern des Nordens jedenfalls war Beifuß viel im Gebrauch, was sich bis weit ins 18. Jahrhundert fortsetzte. Vergleichbar wie heutzutage etwa die Petersilie.

Beifuß Stengel

Die Römer kannten es gar nicht. Im Mittelmeerraum wußte man mit der Pflanze recht wenig anzufangen, verwendete sie in der Frauenheilkunde. Wahrscheinlich geht der Gattungsname „Artemisia“ auf die griechische Göttin der Geburt zurück, oder wie andere Gelehrte vermuten, eher auf die kleinasiatische Königin gleichen Namens.

Die mittelalterliche Kirche mißbilligte den als Sinnbild der Heiden geltenden „Pflanzenzauber“, und platzierte den prominentesten Vertreter des heidnischen Kräuteraberglaubens, den Beifuß, an die Außenseite ihrer Kathedralen. Zu bestaunen in Magdeburg, Reims und Paris. Später passierte, was auch mit dem Balderskraut geschehen ist, die Pflanze wurde mit Johannes dem Täufer in Beziehung gesetzt. (wegen des Namenstags, der in die Blütezeit fiel). Die Methode, Volkes Glaube zu instrumentalisieren und der eigenen Sache dienlich zu machen, zu integrieren, und damit herabzuwürdigen wurde auch dieses Mal wieder eindrucksvoll demonstriert.

Es galt als ältestes der Kräuter, man verband mit ihm einen Fruchtbarkeitsglauben, ein Absud daraus wurde mit einem Eigelb vermischt, das ganze in neun Teile geteilt, und in neun darauffolgenden Tagen getrunken. So wollte man der „Auszehrung“ begegnen und wieder zu Kräften kommen, wird aus Ostfriesland berichtet. Parallelen hierzu gibt es in England, wohin die Stämme der Angeln und Sachsen im fünften Jahrhundert nach der Zeitenwende aufbrachen. Dort heißt der Brauch Neunkräutersegen.

Beifuß, junger Austrieb

Dies sind aber nicht die frühesten Zeugnisse des Heilkrautes. In China wurde damit schon 2000 Jahre vor der Zeitenwende gewürzt. Die Entdecker des amerikanischen Kontinents erfuhren dort von den Ureinwohnern, daß diese schon lange den Beifuß gegen allerlei Krankheiten einzusetzen wußten.

Allergiegeplagte sollten jedoch vorsichtig sein, alle Pollen der Artemisiagewächse sind sensibilisierend und lösen die bekannten Heuschnupfensymptome aus. Also besser im Sonnwendfeuer verbrennen, und in Rauch aufgehen lassen!






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Letzte Änderung: 28.12.2011