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Rot-Buche
Buchengewächse (Fagaceae)
Fagus sylvatica
Volksnamen: Maiböck
Engl.: Beech; Franz.: Hêtre; Ital.: Faggio
Der Name leitet sich von althochdeutsch: „Buchha” ab, ein indogermanischer Baumname, verwandt mit dem lat. „Fagus”=Buche und dem griech. „Phegos”=Speiseeiche. „Rot”-Buche nach dem rötlichen, wertvollen Möbelholz. Zu den Buchengewächsen zählen außerdem die Scheinbuchen (Nothofagus), Eichen und Eß-kastanien (Maronen).
Weibliche (aufrecht) und männliche
(hängend) Blüten der Rotbuche
Erkennungsmerkmale sind die ungeteilten Blätter und die Nußfrüchte, die entweder ganz oder teilweise von einer aus Achsengewebe hervorgehenden Hülle (Becherorgan) eingeschlossen werden. Rundum geschlossen ist dieses Organ bei den Buchen und Scheinbuchen, sowie den Eß-kastanien. Nur teilweise umfaßt die Becherhülle die Frucht der Eichen.
Die Geschichte der Buche ist eng mit der Kulturgeschichte der europäischen Zivilisation verbunden. Die nacheiszeitliche Rückbesiedlung der Landschaft durch die Buche verlief parallel zur Sesshaftwerdung des Menschen und zur Herausbildung höher organisierter Gesellschaftsformen. Daher ist die Buche tief in unserer Kultur verwurzelt. Wie oben erwähnt ist das Wort "Buche" germanischen Ursprungs und drückt aus, was man mit Buchenstäben gemacht hat. Aus Buchenholz entstanden die Runen, durch die man das Schicksal erfragte und auf die man die heiligen Orakelzeichen einritzte. Später wurden daraus kleine Tafeln, die man aneinanderfügte, um Botschaften zu übermitteln, dann verwendete man das Holz auch für den Buchdruck. Es lassen sich die Namen von etwa 1.500 Orten allein in Deutschland, auf die Buche zurückführen.
Der grüne Wald
O der süße grüne Wald,
Wo wir einst in Wonne klangen,
Wo wir spielten, wo wir sangen,
Wo wir tanzten Maientänze,
Wo wir pflückten Maienkränze,
O der süße grüne Wald!
[...]
Ernst Moritz Arndt
Das ganze Gedicht, und weitere Dichtkunst.
Weibliche Blüten der Blutbuche außen
männliche in der Mitte
In der Überlieferung spielte die Buche eine große Rolle, denn unter ihr tanzten die Hexen, die kleinen Kinder wurden aus ihr geholt, sie war der Schutzbaum vieler heiliger Orte. Fand man ein Buchenblatt in der Form eines T's, so stand man unter dem persönlichen Schutz des Gottes Thor.
Die Samen des Baumes waren eine Wetterregel: Viele Bucheckern im Herbst deuteten auf einen langen, strengen Winter. Wenn die Buche früh austrieb, gab es eine frühe Ernte. Wenn die Buche zuerst unten ausschlug, wird das Getreide teurer (weniger Frucht), trieb aber die Spitze aus, dann gab es reichlich Korn.
Laub der Blutbuche
(Fagus sylvatica 'Purpurea')
Um den Winter gut einschätzen zu können, schnitt man am 1. November einen Span aus dem lebendigen Baum. War er trocken, wurde der Winter mild. War er naß, folgte ein langer Winter, eine kalte Jahreszeit.
Die 25-30 m hohen, eindrucksvollen Wald- und Parkbäume sind an ihrer glatten und dünnen Rinde gut zu erkennen. Die Art ist in Europa weit verbreitet, doch beschränken sich ihre größten Vorkommen auf Deutschland, wo er ca. die Hälfte aller Laubwälder bildet. Vielfach als Forstbaum gepflanzt, gedeihen sie auch auf Kalkböden. Die gestielten Blätter sind eiförmig und wellig gerandet. Buchen werden erst mit ca. 30 Jahren geschlechtsreif.
Der Baum ist einhäusig, das heißt, männliche und weibliche Blüten sitzen auf einer Pflanze. Die männlichen Blüten die sich im Mai zeigen, sind hängend, mit langem Stiel, die weiblichen aufrecht.
Geschlossene Frucht
der Blutbuche
Die 3 kantigen Früchte, die in einem stacheligen Fruchtbecher sitzen, sind ab September reif. Die Bucheckern selber sind durch Saponine, geringe Mengen Blausäure und Oxalsäure unbekömmlich, geröstet sind die Nüsse jedoch verzehrfähig.
Bucheckern sind sehr ölhaltig. Ca. 40% des Gewichts macht das enthaltene Öl aus. Für die menschliche Ernährung wenig geeignet, wurde es früher als Lampenöl gebraucht.
Geöffnete Frucht mit Bucheckern
der Rotbuche
Deutschland wäre von Natur aus ein Waldland, überwiegend mit Buchenwäldern. Durch Waldrodungen und -umwandlung sind hier heute Buchenwälder nur auf 6,6% ihrer potenziellen Fläche erhalten geblieben. Diese verbliebenen, allesamt bewirtschafteten Flächen sind von einem Mangel an Strukturen (Totholz) gekennzeichnet. Nur 6% dieser Buchenwälder sind älter als 160 Jahre. Größere zusammenhängende Flächen sind selten. Echte Buchen-Urwälder sind in Deutschland längst verschwunden und mit ihnen auch Arten wie Wolf, Bär und viele Urwaldbewohner unter den Kerbtieren. Nur im östlichen Mitteleuropa, besonders in den Karpaten, sind noch Buchen-Urwälder verblieben. Seit Juni 2009 sind zehn dieser Gebiete in der Slowakei und der Ukraine als Weltnaturerbe ausgewiesen.
Wer Gelegenheit hat, oder in der Nähe wohnt, sollte unbedingt den „Halloh” bei Bad Wildungen besuchen. Das Naturdenkmal umfasst ein kleines Waldstück mit Buchenurwald. Er wurde früher für die Schweinemast genutzt, und deshalb stehen die rund 300 Jahre alten Buchen bis heute.
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Blutbuche
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Letzte Änderung: 26.01.2010